Mittwoch, 25. Februar 2009
Tag 6 Wiedersehen und Abschied
Sabine schreibt:

Wir wollen uns von euch für die nächsten fünf Tage verabschieden, denn wir fahren nach Taquillo, in den Süden von San Salvador. Ich bin schon gespannt, was uns dort erwartet. Für Florian und Nick ist es nichts neues, aber für mich, denn ich weiß gar nicht worauf ich mich einlassen werde. Ich werde getrennt von den beiden anderen untergebracht sein - in einem (zur Zeit) Frauenhaushalt mit 5 Frauen. Und da sie alle nur Spanisch sprechen, werde ich wohl auf diesem Gebiet einiges dazulernen. Wir haben eine riesige Menge an Lebensmitteln gekauft, von denen wir dann jedoch dachten, dass wir sie alle gar nicht in unseren Rucksäcken transportieren könnten. Trotzdem hatte diese Riesenmenge Platz. Flo hat zwei Kanister mit 3 Galonen Wasser und jeweils zwei Liter "Fresco" (leckere Limonade) in seinem Rucksack, ich einmal drei Galonen, 5 kg Maismehl und etliches Gemüse und Nikolai den gesamten Rest (Bohnen, Reis, Zucker, Salz, Pfeffer... und hiervon meist 2-4 Packungen...). Wir haben morgen eine ganze Menge zu schleppen. Ich bin schon gespannt, was die Familien für Augen machen werden. Besonders die Familie in die ich gehen werde, benötigen die Nahrungsmittel, da der Familienvater zur Zeit im Krankenhaus ist. In Taquillo gibt es weder Telefon noch Internet, daher werdet ihr frühestens am Sonntag wieder etwas von uns hören. :D

Ein lustiges Wiedersehen gab es heute noch in einem Café: Helmar traf eine alte Freundin wieder - eben jene Frau Professor, die uns gestern schon begegnet ist.... :D Ich glaube sie haben sich beide sehr gefreut.

Der Gruß des Tages geht heute an Nicks Bruder Michael, der heute (25.) Geburtstag hat. Alles Gute, tausend Küsse :) und die besten Wünsche. vor allem am Samstag werden wir an dich denken, wenn der Film von Familie Rabe zum ersten mal gezeigt wird.

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Dienstag, 24. Februar 2009
Tag 5 Von Überraschungen und Geisteskranken
Nikolai schreibt:

Geisterstunde ist Bloggerstunde... Na ja, so spät ist es zwar heute noch nicht, aber wir merken schon, wie sich hier unser Rhythmus verschoben hat: Um 22.15 liegen alle außer mir im Bett.. Dafür bin ich heute schon um 8 (!) aufgestanden.. Ok ich gebe zu, das war auch der Mückeninvasion geschuldet, aber trotzdem: Wer meinen normalen Schlaf-Wach-Rhythmus kennt weiß, wie ungewöhnlich diese Zeit für mich ist.
Nun ja, als Magdalena um 8.15 anruft, ist auch sie erstaunt wie schnell ich am Telefon bin, Überraschung 1! Wir verabreden uns auf 12 zum Mittagessen. Zum Frühstück gibt es Bananenmilch mit Flor de Caña (jaja, das ist der Rum aus Nicaragua). Schmeckt eigentlich ganz gut. Das Warten auf das Mittagessen verbringen wir mit Abrechnungen, telefonieren und Wäsche waschen. Das Mittagessen in einem kleinen Schuppen hinter der UCA ist sehr günstig und äußerst lecker. Ich habe eine Kartoffel in Käse, Reis, Gemüse, eine Avocado mit Schafskäse und einen frisch gepressten Saft für 1,70$! Das Eis zum Nachtisch ist genauso teuer... Daheim bei Annette müssen wir sämtliche Fenster und Türen verrammeln, soweit das bei Glasfenstern, die nicht richtig schließen, überhaupt möglich ist. Grund: Draußen wird flumingiert (oder so ähnlich). Das heißt, irgendein Typ mit Gasmaske sprüht sämtliche Pflanzen in der Umgebung mit einer Wolke ekliger Chemikalien ein, man möchte gar nicht wissen mit was genau, sieht aus wie ein extrem kaputter Auspuff eines Dieselfahrzeugs. Damit wollen sie die Schädlinge bekämpfen. Ich glaube, dass haben sie geschafft...
Nachdem dieser Anschlag auf Mensch, Tier und Pflanzen vorbei ist gehen wir drei in ein kleines Schwimmbad gegenüber von der UCA. Ja, man mag es kaum glauben, sowas gibts hier wirklich, Überaschung 2! Ist gar nicht mal so verkehrt, ein bisschen dreckig, aber was ist das hier nicht, und kostet nur 2$ Eintritt. Die bezahlen wir auch brav, offensichtlich aber beim falschen Typen, denn der richtige beschwert sich am Ende, wir sollen das nächste Mal ja bezahlen. Ich glaube, er glaubt uns nicht so ganz, dass wir tatsächlich bezahlt haben.
Auf dem Rückweg die nächste Überraschung: Offensichtlich verbringen einige Professoren der Uni Passau am liebsten jede freie Minute in Lateinamerika... An der Ecke vom Pops (Eisladen) steht eine Passauer Theologie-Professorin, die Flo und ich beim letzten Aufenthalt hier schon einmal getroffen haben, Überraschung 3! Sie ist übrigens eine gute Freundin von Helmar... Wenn die wüsste, dass auch er gerade hier ist........ :)
Mit Annette gemeinsam gehen wir zum Abendessen in ein kleines Lokal an der Ecke. Sehr lecker, wenn auch nicht ganz so günstig wie im Comedor. Beim Einkaufen für morgen können Flo und ich die Stimmung der Mitarbeiter etwas aufheitern: Ich schnappe mir einen Mini-Einkaufswagen für Kinder, denn schließlich brauchen wir ja nicht viel. Das allein bringt die Sicherheitsleute (hier sind alle großen Supermärkte von Männern mit Schrotflinte bewacht) schon zum Lachen. Aber als ich mich auch noch auf den Wagen draufstelle und Flo mich durch den Laden schiebt, dürften sie uns endgültig für verrückt halten. Zum Abschluss des Tages gibt es noch einen kleinen Flor de Caña auf Eis, herrlich! Morgen wollen wir uns wieder mit Helmar treffen, mal sehen was er sich für ein Programm ausgedacht hat.

Der Gruß des Tages geht heute an die Stadtverwaltung von San Salvador: Wer auch immer sich den Schmarrn mit dem Flumingieren oder wie auch immer ausgedacht hat: wenn ihr glaubt, mit hochgiftigen Substanzen wie E 605 kleine Schädlinge auf euren Pflanzen bekämpfen zu können, habt ihr damit sicher Recht. Nur merkt euch mal, dass ihr damit die Pflanzen selber auch gleich kaputt macht. Und nebenbei sicherlich auch alle Singvögel und anderes Getier im näheren Umkreis. Von den Menschen ganz zu schweigen, denen das Zeug die Atemwege verklebt. Manchmal könnte man echt meinen, dass die Entscheidungen in diesem Land von lauter Geisteskranken getroffen werden...

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Montag, 23. Februar 2009
Tag 3+4 Händedruck mit dem deutschen Botschafter und Frühstück mit der "Grande jefesita"
Nikolai schreibt:

Hallo aus San Salvador. Es ist mal wieder kurz vor Mitternacht, deshalb werde ich auch nur in aller Kürze das Wichtigste der letzten zwei Tage zusammenfassen, damit ihr neuen Lesestoff habt. Gestern war ein sehr interessanter Tag bzw vor allem Abend! Annette erzählt uns nachmittags von einem Konzert in Suchitoto, ein Touristennest im Norden der Hauptstadt, dass ihr höchstens im Internet, aber sicher in keinem Atlas finden werdet. Ja,ok wir fahren mit, warum auch nicht. Dann erfahren wir allerdings, dass der deutsche Botschafter höchstpersönlich zu diesem Konzert eingeladen hat. Das macht die Sache natürlich um einiges interessanter. Tatsächlich treffen wir ihn und einige seiner Amtskollegen, die Botschafter von Ecuador und Kolumbien und einen Konsulatsbeamten aus Österreich im Teatro de las Ruinas in Suchitoto. Allerdings sind das nicht die wirklich interessanten Gesprächspartner an diesem Abend. Vielmehr treffen wir noch einen Mann vor dem Teatro, der während des Bürgerkriegs Collonel war. Im stehen die Tränen in den Augen, als er von Artilleriefeuer auf die Guerillas erzählt, und wie wenig damals ein Leben in diesem kaputten Land gezählt hat. Er läd uns zu sich nach hause ein. Hoffentlich können wir diese Einladung in den nächsten Wochen noch einmal wahrnehmen. Das Konzert selbst ist besser als erwartet. Nachdem wir die salvadorianische und die deutsche Nationalhymne im Stehen hinter uns gebracht hatten gab es einen Liederabend mit Piano, Sopran und Bariton und zahlreichen "Highlights" aus dem deutschen Liedgut... ;-) Natürlich war Schubert dabei mit Texten von Schiller und Goethe, natürlich mussten sie Papageno und Don Giovani singen und als Zugabe gab es noch ein bisschen Strauß... ;) Aber ich muss sagen, die drei waren echt gut! (Hinterher haben wir erfahren, dass sie auch extra dafür eingeflogen wurden... Es muss also teuer gewesen sein. Der Botschafter meinte, ein Jahresbudget wäre jetzt futsch...) Hinterher sind wir noch mit einigen Lehrern von der deutschen Schule, Magdalena und zwei Leuten von der GTZ (!) auf ein Bierchen und einen Flor de Caña (Rum aus Nicaragua) gegangen. Das war auch sehr interessant. Ich glaube, dass GTZ-Büro hier in San Salvador wird in den nächsten Tagen Besuch von mir kriegen... Zurück in San Salvador sind wir alle müde und fallen sofort ins Bett.
Heute war etwas weniger spektakulär, deshalb in aller Kürze: Morgens treffen wir Steffi zu einem kurzen Frühstück, bevor sie leider schon wieder nach Deutschland zurück muss. Aber es ist eine tolle Sache, dass wir wenigstens kurz unseren Plan verwirklichen können, uns hier zu sehen.. Danach treffen wir Helmar, der an der UCA (hab ich das schon erklärt? Das ist die Uni) schon wartet und erobern mit ihm erst den Markt für Kunsthandwerk und dann den für Obst und Gemüse, wo er sich mit ein paar Anhängerinnen der FMLN (sozialistische Partei) solidarisiert und von ihnen eine Einladung erhält (lustige Bilder..) Abends sitzen wir mit Annette zusammen und ratschen. Endlich haben wir auch Flor de Caña im Haus.. ;)
Nun ja, die anderen schlafen schon, ich werde es ihnen jetzt gleich tun.. Flo wird eh bald schon wieder aufstehen, um zu ziviler Zeit ein paar Anrufe zu erledigen. :)

Der Gruß des Tages geht heute an Steffi, die jetzt irgendwo über den Wolken schwebt, hoffentlich gut daheim ankommt, und bei der man heute (wie Sabine festgestellt hat) gemerkt hat, wie gut sie in dieses Land passt. Super, dass wir uns noch getroffen haben!!

Ich wünsche euch allen einen guten Start in die neue Woche!!

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